Ist eine Gold Wing ein Motorrad? Für die einen nicht, für die fahrenden schon. Touren über 1000 km sind mit der Wing streßfrei und entspannt zu fahren und ich fahre gerne und viel. Mein erstes Motorrad war eine 250er Honda, die ich einem Freund abkaufte. Zustand - fahrbereit. Ich fuhr sie ein paar Monate und dann kam schon eine 750er Honda 4 Zylinder. Da wir damals noch keinen Stufen Führer­schein machten ging das. 

Ich baute die 750er um mit langer Gabel, hohem Lenker und viel Easy Rider Flair. Das war die Zeit, in der wir vor lauter Kraft kaum gehen konnten, in der wir alles ausser Schwäche zeigen konnten. Mein Platz war nie in der ersten Reihe, habe mich gerne im hintergrund mit den Mädels unterhalten, anstatt polternd und niveufrei anderen auf den Nerv zu gehen.  

Eine alte DKW war eine zeitlang mein Begleiter und immer mal wieder ein Ge­lände­motorrad, die nutze ich gerne um Kurierdienste zu fahren. Als die Kinder kamen habe ich das Motorradfahren eingestellt und nach und nach alle Motorräder ver­kauft. Es sah so aus als ob ich den Weg gehen würde den viele gehen. Wenn das Motorrad erstmal weg ist dann ist es vorbei mit fahren. 

Mein Freund Thomas Schmidt erzählte mir eines Tages er will seine Honda Black Widow verkaufen - damit ging Motorradfahren Teil 2 los. Ich fuhr mit der "Blacky" schon einiges, hatte aber noch ein Auto für die Kundenfahrten und schlechtes Wetter. Eines Tages besuchte ich meinen Freund Matthias Decker-Horz und er zeigte mit eine teilzerlegte Gold Wing Bj. 82 in seiner Garage. Auf die Frage was damit sei antwortete er "Wenn du sie zum laufen bringst, gehört sie dir" - als gelernter KFZ Mechaniker was das kein Problem. Damit fing Motoradfahren Teil 3 an. Ich fuhr den ersten Winter seit über 25 Jahren durch. Durch einen Motorschaden und einen glücklichen Umstand konnte ich meine zweite Wing fahren. Bj. 84. Eine wunderschöne Interstate. Mit ihr war ich in Pompeji und bin die Winter durchgefahren.

Die Krönung ist meine neue Gold Wing. Ich habe sie im Sommer 2015 neu aus dem Laden gefahren und komme seither kaum runter vom "Bock". Mittlerweile habe ich 11 europäische Länder bereist und mit einer Jahresleistung von 50.000 km die fahr­inten­sivste Zeit meines Lebens erreicht. Die nächste Idee ist ein Gespann für den Winter und die schlechten Tage im Jahr. 

2017 geht schon mal klasse los. Für die nasse, kalte und vor allem glatte Jahreszeit seit dem 19.01. tut ein neues Uralgespann seine Dienst. Die neuen sind sehr modern ausgerüstet. Einspritzanlage und 3 Scheibenbremsen. Laufen 115 km/h was für ein Gespann völlig reicht. Da kann der Winter und das Sauwetter kommen. Mit der Ural ist es alles kein DIng mehr. Und umfallen - nicht wirklich.

Kleine Korrekturen: Sie fährt 130 und macht sehr viel Spaß - ist nicht mit der Qualität von Honda zu vergleichen - eine kleine Tüte Rost ist im Lieferumfahng und die ein und andere kleine Repartur war auch schon mal fällig. Aber alles in allem ein tolles Gefährt und wenn ich überlege, dass unsere Eltern mit solchen traktoresken Gefährten über den Brenner gezuckelt sind, muss ich meinen Hut ziehen.